Jahresausflug nach Woerth und Walbourg im Elsaß

Bei strahlendem Sommerwetter unternahm der Historische Verein seinen diesjährigen Ausflug nach Woerth.
Das Ziel war ernster Natur: in und um Woerth hatte am 6. August 1870 eine heftige Schlacht getobt, die 20000 Menschen das Leben kostete. Franzosen und Deutsche aus Preußen, Württemberg, Bayern und Baden waren gleichermaßen betroffen, wovon noch zahlreiche Massengräber, Mausoleen und Denkmäler zeugen.

 Frankreich hatte Deutschland in der sog. Emser Depesche den Krieg erklärt, obwohl die Armee noch nicht bereit war. Diesen Vorteil konnte die deutsche Armee für sich ausnutzen und in den Weinbergen und Dörfern um Woerth kam es zum blutigen Gemetzel.

 Neben den sachkundigen Erklärungen des Elsässers Roger wurde der Brief eines Marburger Jägers vorgelesen, den dieser am 7.August an seine Eltern im Kreis Marburg schrieb und der die menschliche Seite, Tod und Verwundungen sowie die Verwüstung der Felder und Häuser schildert. Wegen der Seuchengefahr aufgrund der Augusthitze mußten die Bewohner die Leichen schnell unter die Erde bringen, ein Unterschied zwischen Freund und Feind wurde nicht gemacht. Erst im Herbst grub man die Toten wieder aus und bestattete sie ordentlich, danach erhielten sie würdige Denkmäler ihrer Truppenteile. Ein großes Reiterstandbild Kronprinz Friedrichs III (des späteren 100-Tage-Kaisers) wurde nach dem 1. Weltkrieg, als das Elsaß wieder zu Frankreich gehörte, vom Sockel gestoßen, aus dem Metall goß man drei Glocken, die heute noch im Kirchturm von Morsbronn läuten.

Der bronzene Kopf des Kaisers tauchte erst vor wenigen Jahren in Paris auf, wo er im Musée des Invalides aus Unkenntnis als Fußbank gedient hatte; er wurde in das Museum Woerth überführt, dem die Geschichtsinteressierten anschließend einen Besuch abstatteten. Vor dem ramponierten Denkmalsockel hatten Karl-Josef und Heiderose Fritz ein Picknick vorbereitet und in reizvoller Lage, mit Blick auf das idyllische Städtchen Woerth, stärkte sich der Historische Verein.

 Weiter ging es nach Gunstett, wo in unmittelbarer Nähe zum Freizeitpark „Didiland“ weitere Gedenkstätten, aber auch ein öffentliches Waschhaus an der Sauer zu sehen sind. Danach steuerte man das letzte Ziel an: die Abteikirche Walbourg aus dem 11. Jahrhundert mit romanischen und gotischen Stilelementen.

 Dazu gab der Rastatter Stadtarchivar Oliver Fieg hilfreiche Erläuterungen. Nur wenige hatten nach diesem erfüllten Tag die Energie, das im Klostergebäude untergebrachte Musée Memorial (mit Schwerpunkt 2.Weltkrieg)  anzuschauen.

 Doch der Besuch der privat geführten und so sorgfältig wie reichhaltig bestückten  Sammlung lohnt sich und wurde für einen späteren Zeitpunkt ins Auge gefaßt.

Rastatt, 3.Juli 2022

Dr.Irmgard Stamm

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