Erinnerungen als Rastatt noch Garnison war

Exerzierplatz auf Postkarte festgehalten

Die badischen Regimenter 25,30 und 111 vereint.

Rastatt(rw). Bis zum Abzug des französischen Militärs 1999 bestimmten über 200 Jahre Soldaten das Leben in der Garnison Rastatt den Alltag mit. So hatte die Stadt an der Murg 1895 zirka 7500 Einwohner, wozu fast 5500 „Militärpersonen“ dazukamen. Wie die SMS heute, schrieben die Soldaten Unmengen von Ansichtspostkarten, um den Kontakt auf diese Art und Weise mit der oft weit entfernten Heimat zu halten.

Eine besonders bunte, kunstvolle Lithographie sandte ein Oberfeldwebel 1908 nach dem niedersächsischen Peine, um der Familie Decker mitzuteilen, dass er sich in Rastatt wohlfühle. Interessant dabei das Layout des kolorierten Steindrucks. Da findet sich in der Mitte dem gewidmeten badischen XIV. Armeecorps ein „Postkarten-Exerzierplatz“. Zu der militärischen Großeinheit von 1870 bis 1914 gehörten auch in Rastatt stationierte Formationen.

In der Zeit des zweiten deutschen Kaiserreichs von 1871 bis 1918 bestimmten Soldaten das Rastatter Stadtbild und gerade die Gastwirtschaften waren bevölkert. So war es normal, dass die einzelnen Einheiten ihr Stammlokal hatten. Als Beleg dafür und den Durst der Soldaten: 1869 gab es 27 Rastatter Brauereien.

Die nun wieder nach Rastatt zurückgekehrte Prachtpostkarte von 1908 mit der schwarz-weiß-roten Flagge, der preußischen Kaiserstandarte in Erinnerung an den Deutsch-französischen Krieg und der gelb-rot-gelben Badens weist die fast 30 Untereinheiten des preußischen XIV. Armeecorps aus. Darunter finden sich die Rastatter Stammeinheiten mit ihren abgebildeten Uniform-Schulterklappen.

Kunstvoll dabei das „LW-Monogramm“ (Ludwig Wilhelm) des Regiments 111, das von 1871 bis 1914 in Rastatt stationiert war. Zu finden ist auch das Artillerieregiment Nr. 30, von 1872 bis 1914 überwiegend in der Rastatter Ludwigsvorstadt, dem Dörfel, stationiert. Fehlen noch, ebenfalls im Dörfel in den Kasernen untergebracht, die Lützower. Diese wurden 1910 vom Stammregiment des deutschen Kaisers Wilhelm II., den 40ern (Hohenzollern-Füsiliere), abgelöst.

So kann, wenn man sie auswertet, eine Postkarte, die vor 115 Jahren abgesandt wurde, Stadt- und Regionalgeschichte lebendig machen.

Bild: Eine lithographische Postkartenrarität mit einem Exerzierplatz im Zentrum, lässt die Zeit lebendig werden, als Rastatts und Badens Alltag vor über 100 Jahren noch vom Militär geprägt worden war. Foto. Sammlung Wollenschneider

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