Lützower-Denkmal erinnert an Genozid

„Heldendenkmal“ im Dörfel mit blutigem Hintergrund

Rastatter Soldaten kämpften in Afrika

Rastatt(rw). „Deutschland erkennt Kolonialverbrechen als Völkermord an“, lautete aktuell eine Schlagzeile. Man bezieht sich dabei auf das Genozid an zehntausenden von Herero- und Nama. Bei der Niederschlagung des Aufstands ab 1904 im heutigen Namibia, damals die Kolonie Südwest-Afrika, gingen deutsche Soldaten rücksichtslos vor.

Auch die Angehörige des Rastatter Infanterie-Regiments Nr.25, die „Lützower“, waren an den blutigen Kämpfen beteiligt. Daran erinnert heute noch ein „Heldendenkmal“ an der Ecke Lützower-/Friedrich-Ebert-Straße in der Ludwigvorstadt, dem Dörfel. Am 30. Juli 1907 wurde das Denkmal unter großer Anteilnahme von Militärs und Zivilbevölkerung eingeweiht.

Zuerst noch postiert auf der gegenüberliegenden Seite, folgte 1929 die Versetzung. Der Traditionsverband der „Ehemaligen Lützower“ hatte die Verlegung des Denkmals beim Rastatter Oberbürgermeister August Renner beantragt, weil es „nicht in würdiger Weise“ behandelt worden war. Kinder hatten das Stein-Ensemble als Spiel- und Tummelplatz genutzt. Mit einer groß angelegten Feier wurde anlässlich des Regimentstreffens im August 1929 die Einweihung des „Denkmals für die im Afrikafeldzuge Gebliebenen Helden“ (so der Text der offiziellen Postkarte) begangen. Ergänzt wurde damals das „Heldenmal“ an neuem Platz durch eine Bronzetafel für die gefallenen Lützower im Ersten Weltkrieg. Tropische Pflanzen im Ensemble um den Monolit sollten in der an die Kolonialzeit des deutschen Kaiserreichs bis 1919 erinnern.

Getrennt vom deutschen Heer im Kaiserreich war 1891 eine „Schutztruppe“ gebildet worden. Nach Aufzeichnungen des ehemaligen Leiters des Wehrgeschichtlichen Museums in Rastatt, Uwe-Peter Böhm, befand sich in Karlsruhe ein Ausbildungszentrum für Angehörige der Kolonialtruppen. Die Einheiten bestanden aus Freiwilligen und mussten vor ihrer Entscheidung für den Auslandeinsatz von ihrer Stammeinheit entlassen lassen.

Der ehemalige Vorsitzende des Historischen Vereins, Michael Feik, recherchierte, dass der in Rastatt geborene Offizier Friedrich Barack 1905 in die Schutztruppe eintrat. Er nahm an den blutigen Kämpfen gegen die Hereros und 1907 gegen die Hottentotten teil. Barack kehrte gesund aus Afrika zurück und musste sich so nicht in Stein gemeißelt auf dem Rastatter Denkmal verewigen lassen.

Auf dem Lützower-Denkmal, das heute trotz vorbeiflutendem Verkehr im Dunkel der Kastanienbäume im Abseits dahinfristet, wurden die „Helden“ eines traurigen deutschen Auslandseinsatzes verewigt. Darunter auch das Opfer einer Typhus-Epidemie, Heinrich Seiler. Im Kampfeinsatz starben die ehemaligen Lützower Soldaten Ferdinand Hollstein und Karl Friedrichsen.

Jetzt wäre es wohl an der Zeit das Afrika-Denkmal in Rastatt nicht zu entfernen, sondern mit einer informierenden und mahnenden Tafel zu versehen, um dieses traurige Kapitel der deutschen Geschichte zu erhellen.

Rainer Wollenschneider

Unter großer Anteilnahme von Militärs und Bevölkerung wurde im Rastatter Dörfel das Kolonialdenkmal eingeweiht. Heute steht es auf der anderen Straßenseite der Friedrich-Ebert-Straße als ursprünglich.

An ein dunkles Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte erinnert das Lützower-Denkmal im Dörfel, welches 1929 versetzt wurde.

Foto/Sammlung: Wollenschneider

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