Erinnerungen an verschwundene Fayencen

Im „Quartier Joffre“ war kein Herz für Kunstwerke

Chance der Rettung wanderte ins Dunkel

Rastatt(rws). Wenn nun wieder einmal das Areal des „Quartier Joffre“ wegen der Zukunft der historischen Bausubstanz ins Gespräch kommt, so bietet sich ein Rückblick mit einer Träne im stadthistorischen Augenwinkel an. Im Dezember 1989 waren anlässlich einer Exkursion des Historischen Vereins beeindruckende Fayencen in der französischen Kaserne „wiederentdeckt“ worden. Eine Suche nach deren Wurzeln schloss sich an und sollte von Erfolg gekrönt worden sein.

Das Areal an der Karlstraße im Rastatter Stadtteil Dörfel kann auf eine wechselvolle Geschichte verweisen. Ursprünglich standen am Rand des Areals das Josefhaus, das erste Rastatter Spital (Krankenhaus) und einstöckige Häuschen mit landwirtschaftlichen Anbauflächen. Dann kam die Planung eines Festungsplatzes in Rastatt, um ein kriegerisches Vordringen von Frankreich zu verhindern. Dann wurde zwischen 1844 bis 1848 eine Festungsbastion auf dem Gelände errichtet.

Im Jahr 1849 war diese Bastion 30 Gefängnis für Revolutionäre, wie Gustav Struve und Gottfried Kinkel. Ab 1872 diente die Kasernenanlage das Domizil für das Feldartillerieregiment Nr.30. Dazu nutzte man die heute noch vorhandenen Reitställe. Dann wurde in den Jahren 1913/14 das heute noch existierende Stabsgebäude mit Uhrturm errichtet, inklusive eines Wirtschaftsgebäudes. Als nach 1935 die Allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt wurde, nutzte man das Wirtschaftsgebäude erneut.

In seinem Innern wurden einige künstlerische Kachel-Arbeiten postiert. Sie zeigten, beginnend mit dem Rammbock „Widder“, die Entwicklung der Artillerie über die Jahrhunderte. Als die Franzosen nach 1945 die Kasernenanlage als „Quartier Joffre“ führten, hielten sie auch die deutschen Fayencen in Ehren. Im Jahr 1990 konnte ein Mitglied des Historischen Vereins durch den Kontakt mit Peter Schmitt von der Karlsruher Majolika einwandfrei datieren, dass die Arbeiten vom Vorzeigekünstler Gustav Heinkel entworfen worden waren. Selbst einige Urmotivvorlagen fanden sich an.

Als die französischen Militärs vor 1999 Rastatt verließen, fiel das Joffre-Areal zunächst in den Dornröschenschlaf. Auch gewagte Pläne, dort eine chinesische Akademie zu errichten, waren nicht mehr als eine Luftblase. Schließlich fanden sich mit Ausnahme der ehemaligen Reitställe Investoren und auch das ehemalige Wirtschaftsgebäude gehörte zu den inzwischen sanierten Wohnraumobjekten.

Stirnrunzeln auch beim Dörflerverein und Hansjörg Müller gab es, als man 2017 hörte, dass die Heinkel-Majolika-Fayencen zukünftig hinter Sperrholzwänden verschwinden sollten. Nur eine Arbeit, die „Scharfmetze Anno 1520“ sollte im Eingangsbereich zukünftig erhalten bleiben.

Quasi eine stadthistorische Sünde war es, dass nicht nur die „Scharfmetze“ verschwunden ist, sondern auch eine andere Vorzeigearbeit. Der Künstler Gustav Heinkel hatte eine Arbeit der Festungsanlage Rastatt gewidmet, die besonders eindrucksvoll war. Ob sich diese hinter dem Verschlag erhalten hat, das bleibt im Dunkeln und man kann leider nur auf vorhandene Fotografien verweisen.

 Bild 1: Im ehemaligen Wirtschaftsgebäude (Foto von 1950) des „Quartier Joffre“ hielten auch die Franzosen Majolika-Arbeiten des Künstlers Gustav Heinkel in Ehren.

Bild 2: Vermutlich hinter einer Sperrholzwand verschwand die gelungenen Majolika-Arbeit mit einem Bild der Festung Rastatt.

Bild 3: Optisch zugänglich gemacht sollte im Wirtschaftsgebäude die „Scharfmetze Anno 1520“. So war der Plan.

Foto: Wollenschneider                                                                           

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