Postkartensammeln noch immer angesagt

Lichtpostkarte vom Rathausplatz überrascht mit besonderem Effekt.
Sammelhobby nicht nur für Oldies

Rastatt(wo). Wenn auch in den letzten Jahren unter den Hobbys das Interesse am Sammeln von Briefmarken extrem zurückgegangen ist, ein anderes erfreut sich ungebrochenen des Zuspruchs. Das belegen Postkartenbörsen, dass gerade seltene Foto-Karten hoch gehandelt werden und mancher Sammler noch immer bereit ist, höhere Beträge dafür auszugeben.

Es gibt eine Fülle von Rastatter Postkarten, eigentlich der SMS für Kurzmitteilungen von damals, in vielen Variationen. Wie es in Baden-Baden Tausende von Kurgästen waren, die Postkarten versandten, so waren es in Rastatt die Soldaten der Garnisonsstadt. Sie sandten die Steindrucke (Lithographien) und Echtfotos bis an das Ende des damaligen Deutschen Reiches.

Um das Kaufinteresse der Absender anzuregen, ließen sich auch Rastatter Postkartenverlage einiges einfallen. So der von Anton Eger, einer „Buch-, Kunst & Schreibwarenhandlung“ in der Innenstadt. Der vom oberen Bereich der Stadtkirche St. Alexander aufwändig aufgenommene„Rathausplatz mit Fernsicht“ wurde gleich mehrfach vermarktet. Da gab es ein Angebot, Preis heute zirka auf einen Cent umgerechnet, in Schwarz und eine handkolorierte Variante in Farbe. Aber das, was sich nun wieder durch das Angebot eines Anbieters aus München anfand, das stellt ein absolutes Highlight in der Serie Rastatter Postkartenraritäten der über letzten 100 Jahren dar.

Man hat die Karte von 1912 wohl in den vergangenen Jahrzehnten übersehen und den Vermerk: „Karte gegen Licht halten.“, ignoriert.  Allein schon das Motiv verbreitet Nostalgie und kann den Wandel in der Rastatter Innenstadt dokumentieren. Auf der linken Seite präsentiert sich das Kaiserliche Postamt mit dem Turm zur Aufnahme der Drähte für die Telefonverbindungen. Noch sind nur die Ränder der Innenstadt gepflastert und der Rest Sandpiste. Am unteren Ende der Kaiserstraße ist die „Loreley“ zu erkennen, die umstrittene Denkmalterrasse am heutigen Oranger Platz, die vom „Verschönerungsverein“ um 1900 errichtet wurde.

Doch nun zum Gag der geheimnisvollen Ansichtspostkarte, die aus Rastatt an den damaligen „Verein Badenia“ in Augsburg  von einem signierten „Meister“ abgesandt wurde. Hält man tatsächlich das Motiv gegen eine helle Lichtquelle, wird aus der Schwarz-Weiß-Aufnahme eine Farbige. Neben dieser Rarität hat die Rastatter historische Postkarten-Szene noch so manches parat, das dokumentiert, den Weg in die Gegenwart dokumentieren kann.

Rainer Wollenschneider

-Die Ablichtung der beiden Postkarten ist wie eine zu bewerten

Bild: Eine historische Postkarte von 1912 hat eine saftige Überraschung für Kenner parat: Hält man sie gegen das Licht, wird aus dem Schwarz-Motiv ein Farbiges.

Foto: Sammlung Wollenschneider

Ein Kommentar zu „Postkartensammeln noch immer angesagt

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  1. Hallo Herr Wollenschneider, anbei ein paar Anmerkungenz zu der Postkarte. Die farbliche Veränderung ist bestimmt kein gewollter „Gag“. Lichtdruck, auch Collotypie oder Phototypie wurde 1856 von Louis Alphonse Poitevin erfunden.Es ist ein photolithografisches Flachdruckverfahren zur Wiedergabe von Halbtönen ohne Raster und wurde zum Druck von Bildern und Ansichtskarten verwendet.Dabei wurden; wie bei jedem photolithografischem Druckverfahren; jede Menge Chemikalien verwendet. Ammoniumdichromat, Kaliumdichromat, Glycerin, Formalin, Alaun, Zyankali, Ochsengalle und jede Menge Wasser. Ich bin mir sicher dass der beschriebene Effekt kein „gewollte“r war, sondern ein „Betriebsunfall“. Wahrscheinlich sind beim Druck Wasser und Chemikalien über die Rückseite in das zu bedruckende Substrat eingedrungen und haben diese Veränderung herbeigeführt. Das erklärt auch die ungleichmässige Farbverteilung. Ich bin mir auch sicher dass die Karte nicht in Rastatt gedruckt wurde. In Rastatt gab es; meines Wissens; keine Druckerei die dieses Verfahren ausführten. Es gibt heute nur noch 3 Firmen weltweit die mit diesem Druckverfahren arbeiten: Das Museum für Druckkunst in Leipzig, Gebrüder Alinari in Florenz (die weltälteste Fotowerkstatt) und eine Firma in Kyoto/Japan.

    „Gott zum Grusse“. ….alter Druckergruss. Gert Merklinger

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