Deutsch-Französischer Krieg 1870/71

Serie von Rainer Wollenschneider

Turkos unter den Rastatter Kriegsgefangenen

Offiziere erfuhren eine Sonderbehandlung
Gefangenendenkmal in marodem Zustand

Rastatt(rws). Die Fotos sind 150 Jahre alt und wurden wahrscheinlich von Erwin Wahl geschossen. Sie zeigen einmal eine Totalansicht des Barackenlagers vor dem heutigen Bildungshaus St. Bernhard im Zay, dann das bunte Gemisch aus dem mit Franzosen bevölkerten Gefangenenlager. Ende September 1870 hatte die Festung Straßburg nach deutscher Belagerung kapituliert. Für die über 15000 Kriegsgefangenen wurde im feuchten Gelände des Gewanns Zay ein Barackenlager errichtet.

Gefangenlager 1870

Im Spätsommer 1871 verließen die letzten Franzosen Rastatt, waren sie am Anfang in einem Zweitagesfußmarsch in die Stadt an der Murg gekommen. Dank der Aufzeichnungen des Verbindungsoffiziers zum Lagerkommandant Generalleutnant Waag, Kapitän zur See Bergasse du Petit-Thouars, hat sich einiges zu den Lagerverhältnissen erhalten. Ein Einblick in die Aufzeichnungen gab Jean Schweitzer im Heimatbuch des Landkreises 1971.

Im Lager mit einer gewissen Infrastruktur, zu der beispielsweise eine Post und Kantinen gehörten (Dort wurde kein Alkohol ausgeschenkt), bot sich ein buntes Bild. Dieses durch die roten Hosen der Soldaten aber vor allem durch das hellblaue Outfit mit weißem Turban, Angehöriger Algerischer und Tunesischer Schützenregimenter. Als die Gefangenenzahl durch den Fall von Metz auf zirka 20000 anschwoll, wurden auch Festungswerke und Kasernen zusätzlich zur Unterbringung genutzt. Wenn es auch in der Zeit etwas über 350 Todesopfer gab, Typhus und die Blattern forderten ihre Opfer, die Gefangenen erhielten Lebensmittel-Rationen wie vergleichbar die deutschen Soldaten.

Neben den Fotografien von 1870/71 hat auch Maler und Lehrer am Rastatter Lyceum Lucian Reich Szenen mit französischen Gefangenen festhalten. Dadurch wissen wir, dass das Hauptgebäude der Ludwigsfeste als Lazarett genutzt wurde. Eine Sonderbehandlung erfuhren die französischen Offiziere, die auf Ehrenwort bei Bürgern wohnen und auch Zivilkleidung tragen duften. Nach der Schilderung hätten sich nur drei von den 318 Offizieren nicht an das Versprechen gehalten. Die Offiziere waren es auch, die nach den Vorverhandlungen zum Friedensvertrag vor den gemeinen Soldaten in ihre Heimat zurückkehren durften.

Dafür berichtet der Rastatter Chronist Albert Neininger, dass die Gefangenen-Offiziere zu Dutzenden ihre trügerische Freiheit nutzten, um in der Murg zu angeln. Man kann es sich heute nicht mehr vorstellen, dass das dicht bebaute Zay 1870 eine feuchte Gegend vor den Festungswällen war. Was an die Franzosen im dortigen Gefangenenlager erinnert, ist ein verwittertes Grabmal in einem sehr ungepflegten Zustand auf dem Stadtfriedhof. Es hätte bestimmt einmal eine Reinigung verdient. „Aux soldats francais morts á Rastatt en capivité 1870-1871“ lautet die schwer lesbare Inschrift.

Gedenktafel

Rainer Wollenschneider

Bild: Seltene Fotos von vor 150 Jahren vermitteln Impressionen vom französischen Lager mit zirka 15000 Kriegsgefangenen im Gewann Zay vor den damaligen Festungswällen.

Fotos/Sammlung: Wollenschneider

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