Die Schlacht bei Wörth

Schrecken des Krieges vor Augen geführt

Pfarrer Karl Klein hinterließ die „Fröschweiler Chronik“

Zur ausgefallenen Exkursion des Historischen Vereins

Von Rainer Wollenschneider

Eigentlich war die ausgefallene Jahresexkursion des Historischen Vereins 2020 in Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg Ende Juni nach Wörth geplant.
 Von Rastatt sind Woerth und Froeschwiller im Elsass etwas über 50 Kilometer entfernt. Dort tobte am 6. August 1870 eine blutige Schlacht, bei der auf deutscher und französischer Seite jeweils zirka 10000 Soldaten ihr Leben lassen mussten.
Zeugnis von den völkermordendenden Ereignissen gibt heute im Woerther Schloss das Museum „Bataille de Froeschwiller-Woerth“, das in den letzten Jahren auch manchen Rastatter Besucher hatte. (Tel: 33 (0) 3 88 09 40 96)


Ein Diorama mit 4000 Zinnfiguren, Gemälde, Uniformen, Waffen und vieles mehr machen im Woerther Schloss das Geschehen lebendig, das sich Anfang August 1870 nach der französischen Niederlage bei Wissembourg entwickelte. Die französische Generalität wollte nicht hinnehmen, dass der ursprünglich auf deutschem Gebiet geplante Krieg einen anderen Verlauf nahm.Was das dramatische Geschehen bis in die Gegenwart authentisch werden lässt, das ist die erstmals 1877 erschienene „Fröschweiler Chronik – Kriegs- & Friedensbilder aus dem Jahre 1870-71“ des Pfarrers Karl Klein (1838-1898). Die Aufzeichnungen des Elsässer Pastors in Froeschwiller brachten es im Deutschen Reich auf 36 Auflagen bis 1916. Obwohl von einem Franzosen mit deutschen Wurzeln geschrieben, das zwar den deutschen Sieg bei der Schlacht von Woerth dokumentiert, aber deutlich auch die grausamen Folgen für Soldaten und Zivilbevölkerung, gingen die Aufzeichnungen durch die kaiserliche Zensur.Der Froeschwiller Ortspfarrer berichtet in der 277 Seiten Prachtausgabe von 1900 unparteiisch und voller Gefühl in Momentaufnahmen über die Ereignisse vom 4. bis 8. August 1870.
Da der Schlachtenmaler Ernst Zimmer (1864-1924) für zahlreiche Illustrationen sorgte, die vom Autor noch abgesegnet wurden, werden die ganzen Schilderungen noch authentischer.In 60 Kapiteln wird der Leser noch heute nach und nach in die tagebuchähnlichen Aufzeichnungen mit hineingezogen. Die ländlichen Idylle wird vom Schlachtenlärm und dem geschilderten Schicksal der Opfer drastisch gestört. Da ist von plündernden deutschen Soldaten aber auch von nordafrikanischen, französischen Opfern die Rede.
Es bringt im Schlachtengetümmel mitten im Kugelregen ein Mann seine beiden Kinder unter den Armen und seinen alten Vater auf dem Rücken in Sicherheit.Der Autor der Chronik Karl Klein wird seinem Prädikat als Elsässer Volksschriftsteller durchgehend gerecht, indem er Ausrufe in wörtlichen Reden einstreut. Schockierend geradezu, wie er die Blessuren der Opfer oder einen Arzt schildert, der in Serie Amputationen durchführt. Auch die Welt nach der Schlacht von Woerth mit dem Besuch des Kaisers Wilhelm I. 1876 wird geschildert.
Wenn man heute die idyllische Landschaft vom Aussichtsturm in Elsasshausen betrachtet sollte man die „Froschweiler Chronik“ im Hintergrund haben, die festgehalten hat, wie der Krieg vor 150 Jahren in der elsässischen Nachbarschaft Wunden geschlagen hat.

Repro/Sammlung: Wollenschneider

Schreiben Sie einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Erste Schritte
%d Bloggern gefällt das: