Auf der Suche nach ältester Ansichtspostkarte !!!!!!

„Gruß aus Rastatt“ mit Kanonengrüßen
Historischer Verein bei Suche erfolgreich 

Rastatter Abiturkarte von 1895 aufgetaucht

Von der „Blauen Katz“, Fröschen und Eseln

„Vivat Rastattinina“-Karte belegt TraditionLustiger

Smiley vor 125 Jahren verewigt

Rastatt(rw). Man soll niemals „Nie!“ sagen. Das zeigte sich nun wieder, als eine Abiturkarte Rastatter Quelle aus dem Jahr 1895 auftauchte. Bisher ging man davon aus, was erfolgte Präsentationen und Publikationen betraf, dass die älteste versandte Visitenkarte des gymnasialen Schülerstolzes zur absolvierten Reifeprüfung aus dem Jahr 1897 in Rastatt zu belegen wäre.

Inzwischen ist der Brauch des Kartenversendens an Verwandte, Freunde und Bekannte an Gymnasien einer freudigen E-Mail gewichen. Rastatter Abiturpostkarten sind bis 1957 belegbar, aber beim Betrachten durchgehend voller Symbolik und vielfach ein Spiegel der Zeit. Die nun greifbare älteste Rastatter Abiturkarte wurde von Clemens Günther aus Krautheim, einem der von 25 Abiturienten 1895, von Rastatt nach Ravensburg versandt. Bereits einen Tag später war sie bei 5 Pfennig Briefmarkenporto am Ziel.

Der Ort der zehnjährigen „Schülerqual“, das „Großherzogliche Lyceum“, später „Ludwig-Wilhelm-Gymnasium“ (LWG), ist nicht auf der Postkarte festgehalten. Dafür die Wirtschaft „Zur Blauen Katze“. Die war trotz Wirtshausverbots für Schüler der „geheime“ Versammlungsort mit seinem markanten Aushängeschild. Es zeigt die blaue Katze „Hiddi Gei Gei“, die auf den dem studentischen Verbindungswesen nahestehenden Dichter Victor Joseph von Scheffel zurückgeht. Tituliert ist die Fluchtwirtschaft mit „Knopfloch“ und die feschen Bedienungen wurden auch verewigt. Festgehalten wurde auch ein Portal, bezeichnet mit „Santa Casa“, das an den Eingang ins katholische Pfarrhaus erinnert.

„Vivat Rastattinina!“ steht über einer bildlich festgehaltenen Szene, welche die Schülerlaufbahn symbolisch festgehalten hat. Die Schule wird als ein Teich dargestellt, in dem die Frösche auf die Reifeprüfung warten. Am Ende der Prüfungsleiter steht die „Abiturmühle“, die von einem „Commissär“, Prüfer, gedreht wird. Wer es von den Schülern geschafft hat und nicht zurückmuss, der erlebt eine Metamorphose zum Esel, dem „Mulus“.

Der befindet sich als Maultier zwischen zwei Welten: dem Ende der Zeit als Schüler, hin auf steilem Weg zur „Academia“, dem Studium, der angestrebten wissenschaftlichen Bildung für einen höheren gesellschaftlichem Status.

Rastatts älteste bekannte Abiturkarte ist ein Markstein für folgende. Später geht man von der Frosch-Mulus-Thematik ab. So werden der Erste Weltkrieg, die Weimarer Republik und der Zweite Weltkrieg, auch  mit bildlicher Beschäftigung des Nationalsozialismus, aufgenommen.

Was die LWG-Karte von 1905 auch noch zukunftweisend macht, ist ein Detail. Schaut man die Szene mit der „Blauen Katze“ genauer an, entdeckt man einen lustig gestimmten Smiley.

Bild: Am Ende einer Serie bis in die 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts steht eine Rastatter Abiturkarte von 1895 mit viel Symbolik.

08.06.2021 Foto/Sammlung: Wollenschneider


Ein Bericht von Rainer Wollenschneider

Rastatt(wo). Dem Ruf des Historischen Vereins, die älteste postal gelaufene Rastatter Ansichtspostkarte zu finden waren mehrere Einsender gefolgt. Schließlich war es der Niederbühler Sammler Klaus Herrmann, welcher den Coup landen konnte. 

Ansichtspostkarten waren die Emails der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts und lieferten zum Text auch Motive, die die Empfänger begeistern sollten. Den Boom, den die „Telegramme mit Briefmarke“ auslösten, belegen Statistikzahlen. So wurden 1895 über 470 Millionen Postkarten von der Reichspost versandt. Klaus Herrmanns Siegerpostkarte trägt den Poststempel vom 31. Dezember 1889. Sie wurde nach Baden-Baden abgeschickt und erinnert an die Wurzeln der Ansichtspostkarte im Deutschen Reich. 

So sandten Soldaten im Deutsch-Französischen Krieg vor 150 Jahren Postkarten mit Motiven der Schauplätze. Auf der Rastatter Karte, eine Lithographie (Steindruck), wird ein „Gruß aus Rastatt“, wie bei so vielen anderen Karten, geschickt. Es handelt sich um eine Szene mit Artilleristen und Kanonen im Anschlag. Die Inschrift „Ultima Ratio Reg.“ (Letztes Mittel) verheißt nichts Gutes, was das damalige deutsch-französische Verhältnis betrifft. 

Interessant beim Aufruf des Historischen Vereins auch die zweitälteste Ansichtspostkarte mit einem formatfüllenden Motiv der Badener Brücke von 1893. Matthias Weyrauch lieferte eine frühe Mondscheinkarte. Romantisch verklärt wird darauf eine nächtliche Stadtszene geliefert. Hier wurde mit den Mitteln vor 150 Jahren aus einem fotografierten Tagesmotiv durch Nachbearbeitung eine nächtliche Szene gezaubert. 

Badener Brücke von 1893. Matthias Weyrauch lieferte eine frühe Mondscheinkarte

Was auch mehrfach unter den Einsendungen zu Rastatts ältester Ansichtspostkarte dabei war, einfarbige Lithographien. So warb Wirt Reinbold vom „Gasthof zum Schwert“ 1895 mit Motiven des Schlosses, des Bernhardusbrunnens, der Stadtkirche St. Alexander und der Einsiedelner Kapelle. Ebenso dabei Zigarrenfabrikant Mayer mit denselben Motiven auf einer Ansichtspostkarte, die Reinhold Weisenburger aus Steinmauern eingereicht hatte. 

Einsendung der Ansichtspostkarte von 1895 von Reinhold Weisenburger

„Wir freuen uns, dass unsere Aktion auf so gute Resonanz gestoßen ist und überlegen uns eine entsprechende Wiederholung“, fügt der Vorsitzende des Historischen Vereins, Dieter Wolf, an. 

Bild: Die älteste greifbare Ansichtspostkarte Rastatts von 1889 zeigt ein militärisches Motiv. Interessant auch die anderen Einsendungen nach dem Aufruf des Historischen Vereins. 

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