Rastatter Denkmale „gingen auf Reisen“

30er-Monument auf Sammelbild verewigt
Versetzung des 30er-Mahnmals“ bleibt offen

ein Beitrag von R.Wollenschneider

Rastatt(rw). Ein im Internet angebotenes buntes Sammelbild der Freiburger Schokoladenfirma Ruef führte zur Recherche zur Situation des 30er-Denkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs an der Post-/Bahnhofstraße. Dessen Versetzung in die rechte Ecke des Schlossparks war vom Gemeinderat im September 2018 mehrheitlich beschlossen worden. Hintergrund war die geplante Umgestaltung des Platzes vor der Hauptpost.

30er Denkmal heute

Nach Anfrage bei der Pressestelle der Stadt Rastatt musste aufgrund der Landesgartenschau-Bewerbung und der damit verbundenen personellen Engpässe das Projekt zur Umgestaltung des Postplatzes „in den letzten Monaten ruhen“. Dazu wurde zusätzlich mitgeteilt, dass vorbereitende Maßnahmen schon getroffen worden sind: „So wurde das Fundament und das Denkmal bereits erkundet, dokumentiert und hierfür auch zum Teil geöffnet“. In einer Sitzung, so die Pressestelle, soll das Bauprojekt nochmals in einer Sitzung abgestimmt werden: „Wann das sein wird, ist derzeit noch offen“, heißt es in der Meldung.

Näher betrachtet gehört das 30er-Denkmal, das in einer ersten Version (eine Aufnahme hat sich erhalten) am 13. Juli 1924 eingeweiht wurde, zu Rastatter Denkmalen, die aus den verschiedensten Gründen auf die Reise geschickt wurden. Das erste Denkmal für die Gefallenen im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 des in Rastatt 1873 gegründeten und stationierten 2. Badischen Feld-Artillerie-Regiments Nr.30 stand etwa an der Stelle, gegenüber der heutigen Schloss-Galerie, wo die barocke Gartenfigur der Flora mit ihrem Füllhorn steht.

In Unterlagen des Rastatter Stadtarchivs, die 1984 der damalige Stadtarchivar Wolfgang Reiß zugänglich machte, ist nachvollziehbar, wie aus einer geplanten Denkmalverlegung in Richtung Post, ein völlig neu konzipiertes „Mahnmal für die Opfer des Krieges“ wurde. Der 1959 verstorbene Karlsruher Künstler Hermann Göhler bekam für den 7. April 1934 und dessen Eröffnung den Auftrag, ein Gefallenen-Denkmal für die 30er zu entwerfen.

Sogar eine greifbare Festschrift gab es damals mit einer geradezu poetischen Beschreibung der neuen Anlage, heute durch den Parkplatz ein nüchterner Ort: „Umgeben von einer alten, schönen Baumgruppe… wie in einem heiligen Hain und umrahmt von einer Taxushecke“, so mahne laut Text der Zugang „zur Andacht und Ehrfurcht“. Im Jahr 1984 erwähnte Stadtarchivar Wolfgang Reiß, dass man schon 1963 bei der Umgestaltung des Postplatzes daran dachte, das 30er-Denkmal zu verlegen. Angedacht wäre auch der Bereich der Lünette 42 auf dem Röttererberg gewesen.

30er Denkmal heute

Dort findet sich inzwischen das Gefallenendenkmal des Hohenzollern-Regiments Nr.40, das mitten im Schlosspark war. Auch das am 10. Oktober 1937 vor der Gartenfront der ehemaligen Barockresidenz des Infanterie-Regiments 111 eingeweihte Denkmal wurde versetzt und findet sich ziemlich versteckt in der Ecke Lyzeumstraße/An der Ludwigsfeste im Schlosspark. Sicher wird man in Nach-Corona-Zeiten wieder auch das ruhende 30er-Denkmal-Verlegungs-Projekt aufgreifen.

111er und 40er Denkmal

Bild 1: Das ursprüngliche Denkmal des Rastatter 30er-Regiments stand für 10 Jahre am Rand des Schlossparks.

Bild 2: Am 7. April 1934 wurde das zweite 30er-Denkmal auf dem Postvorplatz eingeweiht.

Bild 3: Ein Sammelbild der Firma Ruef-Schokoladen in Freiburg hatte auch das 30er-Mahnmal Ende der 30er-Jahre bildlich festgehalten.

Foto: Sammlung Wollenschneider

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